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Der Ort der Weltreligionen auf der Bundesgartenschau 2005
Idee
Die BUGA 2005 macht es möglich: die fünf bei uns vertretenen großen Weltreligionen werden an einem gemeinsamen Ort ihre Veranstaltungen und Gottesdienste durchführen: Buddhisten, Hindus, Muslime, Christen und Juden. Dieser "Ort der Weltreligionen" will dem Klima der Bundesgartenschau "Perspektivenwechsel" auch die religiöse Dimension geben, die bei vielen Menschen in der Begegnung mit Schöpfung und Natur berührt wird. Gerade bei einem bewusst auf Erholung und Unterhaltung, Information und Showeffekte angelegten Unternehmen wie der BUGA ist dies ein sinnvoller Kontrapunkt, der sich aber gerade durch seine Gestaltung stimmig in das Gesamt der BUGA-Architektur einfügt.
Mehr als 2 Jahre trafen sich Vertreter der großen Weltreligionen auf Einladung der Bundes-gartenschau, um für einen solchen gemeinsamen Ort ihre Wünsche und Vorstellungen zu äußern und ab zu stimmen. Er soll von den einzelnen Religionen und auch punktuell gemeinsam genutzt werden. Nach der Bundesgartenschau 2005 wird der Ort der Weltreligionen Bestandteil des neuen Landschaftsparks in der Messestadt Riem werden.
Die Anlage
Der Bildhauer Nikolaus Gerhardt (Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München) hatte die tragende Idee: fünf gleich große, behauene Steine, die alle eigenständig für eine der Weltreligionen stehen, sind über parallele und versetzt angeordnete Betonspangen in Kreisform miteinander verbunden und bilden so eine gestalterische Einheit. Diese Idee fand die Zustimmung aller Vertreter der Weltreligionen. Der so entstehende kreis-förmige Platz mit rund 24 m Durchmesser ist in die Grünfläche des Landschaftsparks eingebunden und befindet sich in der Nähe des Südeingangs, beim sog. Kastanienhain. Dabei liegt der Mittelpunkt des Kreises auf der Sichtachse zwischen der alten Kirche Heilig Blut in Gronsdorf und dem Turm des im Mai eingeweihten neuen ökumenischen Kirchenzentrums der Messestadt Riem. Die Mitte des Platzes selbst wurde bewusst frei gelassen. Dort befindet sich lediglich eine steinerne Bodenplatte. Der Künstler gibt damit seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Beziehung zu Gott Zentrum allen Seins ist. Fünf gegen einander versetzte Doppelspangen aus Beton ergeben die Kreisform und begrenzen den Platz. Dazwischen liegen fünf Zugänge. Auf diesen Doppelspangen lagert jeweils ein großer behauener Natursteinblock in altarähnlicher Form. Mit einem bildhauerisch aufgebrachten Symbol der jeweiligen Religion erhält jeder dieser Steine seinen Bezug zu einer der fünf Weltreligionen. Menschen sind auf der Suche nach Gott. Sie werden von ihm angesprochen und angezogen und zu persönlicher Antwort heraus gefordert. Diese Realität hat Nikolaus Gerhradt in seinem Entwurf für den Ort der Weltreligionen symbolisch und dynamisch umgesetzt und ihr eine erkennbare Ganzheit gegeben, ohne eine sechste Über-Weltreligion zu propagieren. Ein solch gemeinsamer Ort war überhaupt nur möglich, weil in einem über zwei Jahre dauernden Annäherungs- und Klärungsprozess eben gerade auch die unterschiedlichen Zugänge der einzelnen Religionen immer wieder thematisiert und beachtet wurden. So ist dieser Ort Ausdruck und Ergebnis von Verständigung und gegenseitiger Achtung, ohne vorhandene unterschiedliche Zugänge zu Gott zu verwischen.
Die evangelische-lutherische Kirche in Bayern am Ort der Weltreligionen
Nicht nur Dialog und Zusammenarbeit mit anderen christlichen Konfessionen, sondern auch die Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Religionen bekommt für die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern in einer näher zusammen gerückten Welt größere Bedeutung. Im Spannungsfeld zwischen den Positionen und Traditionen eignen Glaubens und den Lehren und der Praxis anderer Religionsgemeinschaften soll ein respektvolles Miteinander möglich sein. Fast alle großen Religionen verbindet die Deutung der natürlichen Lebensgrundlagen als einer gottgewollten Schöpfung in der gemeinsamen Verantwortung für die Welt.
Zusammen mit der Erzdiözese München und Freising beteiligt sich deshalb auch die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern, vertreten durch das Dekanat München, am Ort der Weltreligionen der BUGA 2005, der diesem Neben- und Miteinander einen künstlerisch gestalteten Raum gibt. Dieses Engagement zeigt sich auch in einem finanziellen Beitrag der Landeskirche zur Realisierung des Konzepts von Prof. Gerhardt. Sowohl die katholische, wie auch unsere evangelisch-lutherische Kirche werden am Ort der Weltreligionen samstags und sonntags Andachten, Gottesdienste und Veranstaltungen durchführen. So werden die Besucherinnen und Besucher der BUGA zum Innehalten und zur Besinnung, zu Lob und Dank, Gebet und Gesang durch die Pfarrerinnen und Pfarrer eingeladen, die am Ort der Weltreligionen und an anderen Plätzen des Bundesgartenschaugeländes unter dem Motto "Evangelisch auf der BUGA" Gottesdienste, Meditationen und geistliche Musik anbieten.
Volker Herbert
Dekan München-Ost
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